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von Jens Störmer
Folgende Themenbereiche sind hier zu finden:
(ohne Anspruch auf Vollständigkeit)
| Motor | Karosserie |
| Fahrwerk | Differential |
| Steckachsen | Gelenkwellen |
| Schalt+Transfergetriebe | Automatik |
| Handbremse | Bremse |
| Kupplung | Elektrik |
| Lenkung | Literatur |
Die 200- und 300 Tdi Motoren, speziell für den Einsatz in Geländewagen
entwickelt, sind sparsam und robust. Die 200 Tdi Maschine ist leider
in der
Serienversion so auf extreme Sparsamkeit getrimmt, daß man dafür
eine
eklatante Drehmomentschwäche im unteren Drehzahlbereich in Kauf
nehmen muß.
Dies ist im Straßenbetrieb unerheblich, aber vollbeladen im Sand
kann das
sehr unangenehm werden, wenn einem Toyotas und GR Patrols um die Ohren
fahren. G. Behringer, mit seinem Discovery überall in Nordafrika
unterwegs,
hat deswegen eine sogenannte Einstellungsoptimierung vornehmen lassen
und
ist sehr zufrieden mit dem Ergebnis.
Achtung!: Rover Deutschland reagiert überaus allergisch auf das
Thema
Leistungssteigerung und lehnt an solchen Fahrzeugen jegliche
Gewährleistungsansprüche während der Garantiezeit ab,
selbst wenn sie
überhaupt nicht in Zusammenhang mit den Änderungen stehen.
Ob tatsächlich,
wie von Neuss behauptet, die ABE und der Versicherungsschutz erlischt,
ist
eine Frage für Juristen. Schließlich wird keine mechanische
Änderung
durchgeführt, sondern lediglich an einigen Schrauben gedreht,
wozu aber
einiges an Erfahrung notwendig ist, soll das Ergebnis befriedigend
ausfallen. Leicht erhöhter Verbrauch und etwas stärkerer
Rußausstoß sind die
verschmerzbaren Nachteile. Ich persönlich glaube, daß die
Tdi-Triebwerke
problemlos 135 PS ohne Auswirkungen auf die Lebensdauer vertragen (die
Automatik-Discoverys haben ja bereits 122 PS, und für mich stellt
sich die
Frage, wo die neun zusätzlichen Pferde denn herkommen, schließlich
sind die
Motoren doch bis auf die Einspritzpumpe völlig identisch).
Ein langer Ansaugschnorchel kann sich übrigens leistungsmindernd
auswirken,
vor allem bei einem getunten Motor kann der Luftdurchsatz zum begrenzenden
Faktor werden. Hier schafft ein K&N Racing-Filter Abhilfe. Ich
habe eine
zeitlang ernsthaft den Einbau eines Zeus Timing Gear Satzes in Erwägung
gezogen, aber die Sache mit der Schmierung ist mir nicht endgültig
geheuer.
Ich denke, alle 80000 km den Steuerriemen zu tauschen ist auch nicht
übermäßig aufwendig. Laut T. Albrecht gab es auch bei
den Zeus-Gears schon
Risse bzw. Brüche, und das hat dann die gleichen Folgen wie ein
Zahnriemendefekt. Vereinzelt traten wohl Probleme mit gerissenen
Steuerriemen auf, allerdings scheinen die 300 Tdis etwas anfälliger
zu sein
als die 200er, obwohl der 300er Riemen stärker ist. "Strange Rover"
eben.
Auch Risse an der Umlenkrolle oder der Spannrolle sind schon vorgekommen.
Man sollte darauf achten, vor Geländeeinsätzen das Steuergehäuse
mit einem
"wading plug" abzudichten, damit kein Wasser oder Staub (oder beides,
also
Schlamm) eindringen und Schaden anrichten kann.
Bei einigen TDI's mit hoher Laufleistung ( das Foto ist von meinem
Motor!!)
soll es schon zu Schäden an der
Zylinderkopfdichtung gekommen sein, die dazu führten, daß
der Motor über den
Ventiltrieb sein eigenes Öl ansaugt und verbrennt; im Extremfall
läßt er
sich dann nicht mehr abschalten, bevor die Ölwanne leer ist. Doch
keine
Panik, solche Fälle sind die Ausnahme, nicht die Regel. Die Anzahl
der
Defekte läßt noch nicht auf ein spezielles Land Rover Problem
schließen.
Leider ist mir nicht bekannt, ob hiervon nur bestimmte Seriennummern
betroffen sind (z.B. wegen einem mangelhaften Zuliefererteil) oder
gleichmäßig alle Fahrzeuge. Wer weiß mehr? Zeitweise
traten Probleme mit dem
Abschaltventil auf, da im Produktionsprozeß Metallspäne
in die
Einspritzpumpe gerieten und dann ohne Vorwarnung das Ventil blockierten.
Land Rover verhielt sich hier aber sehr kulant, vorausgesetzt die
Vertragswerkstatt hielt es für notwendig, einen Kulanzantrag zu
stellen. Ich
habe auf der IOR mit einem Discovery-Fahrer gesprochen, dem nacheinander
vier neue Abschaltventile eingebaut (und berechnet!) wurden. Sowas
ist mehr
als ärgerlich, denn das Ventil ist nicht die Ursache des Problems.
Wer
allerdings bisher keinen Ärger mit dem Abschaltventil hatte, wird
höchstwahrscheinlich auch in Zukunft keine Probleme bekommen.
Ansonsten sind
die Diesel-Triebwerke wohl über jeden Zweifel erhaben. Eine Besonderheit
bei
frühen 200 Tdis: die Rücklaufleitungen von den Einspritzdüsen
wurden anfangs
aus einem recht starren Material hergestellt (später wurde das
geändert).
Durch die starken Vibrationen kommt es regelmäßig vor, daß
die
Banjo-Schrauben an den Düsen losgeschüttelt
werden, was schlimmstenfalls zum Verlust der Schraube und anschließendem
Motorbrand führen könnte. Man kann die Schrauben nicht ordentlich
mit
Loctite einsetzen, da eventuell die Hohlbohrung blockiert wird. Also
bleibt
nur, die Leitungen gegen flexible Treibstoffleitungen zu ersetzen,
es gibt
angeblich sogar einen Umbausatz von LR. Ich habe mir stattdessen angewöhnt,
die Verschraubungen einfach öfters zu kontrollieren.
Über die V 8 Motoren kann ich leider wenig schreiben, aber wenn
man mal von
dem hohen Verbrauch (an Benzin und Zündkerzen) absieht, scheinen
sie
ebenfalls sehr robust und langlebig zu sein. Ebenso wie bei den Tdis
sollte
man auf penible Einhaltung der ölwechselintervalle achten.
Viele Besitzer klagen über Undichtigkeiten im Bereich der Frontscheibe
und
der Alpine Windows (Leserbriefe in Off Road und LRO). Bisher habe ich
aber
noch keinen undichten Disco selbst in Augenschein nehmen können.
Alle
Discoverys, die ich kenne, sind absolut dicht. Allerdings war bei meinem
Disco das Sonnendach schon im zarten Alter von zwei Jahren nicht mehr
waschstraßenfest. Laut Rover Deutschland ist heute die gesamte
Problematik
mit Karosserieundichtigkeiten beseitigt. Die Ausstellfenster bei unserem
3-Türer schließen sich automatisch beim Losfahren, dank
ihres völlig
schwachsinnigen Mechanismus.
Bezüglich der (sichtbaren) Fertigungsqualität muß ich
allerdings sagen, daß
sich in den letzten Jahren bei Land Rover, zumindest bei der
Discovery-Baureihe, einiges positiv verändert hat. So machen beispielsweise
die Verkleidungen der Alpine-Windows bei unserem Disco den Eindruck,
sie
seien aus einem anderen Fahrzeugmodell übernommen und nur notdürftig
angepaßt (daumendicker Spalt). Im Gegensatz dazu ein 96er Disco:
einwandfreie Paßgenauigkeit, nichts klappert, nichts fällt
ab. Eigentlich
fast schon unangenehm unenglisch... Ansonsten gilt für die Karosserie
die
alte Land Rover Weisheit: Aluminium rostet nicht, es korrodiert nur.
Überhaupt bestehen ja nur die Deckbleche mit Ausnahme des Dachs
aus
Aluminium, der Großteil der Karosserie ist aus ganz profanem
Stahlblech.
Diese Mischkonstruktion sorgt überall dort für Korrosion,
wo Stahl und
Aluminium ohne saubere Trennung durch z.B. Dichtmasse oder
Kunststoff-U-Scheiben aneinanderstoßen. Dennoch stehen Discoverys
nach
einigen Jahren meist noch besser da als viele ihrer gleichaltrigen
japanischen, amerikanischen und deutschen Kollegen. Die Lebensdauer
einer
Karosserie ist allerdings so stark von den Einsatzbedingungen und der
investierten Pflege abhängig, daß Vergleiche kaum möglich
sind. Mit
zunehmendem Alter dürfte sich Väterchen Rost am Rahmen der
Discoverys an den
gleichen Stellen wie beim Range Rover festbeißen, also z. B.
am hinteren
Querträger, an den Rahmenauslegern oder an den Federaufnahmen.
Achtung: im
Innenraum ist der (völlig überflüssige) Teppichboden
netterweise so verlegt,
daß er sich erst nach ausgiebiger Demontage von Innenverkleidungen,
Einstiegsleisten usw. anheben läßt. Ich kann nur jedem raten,
sich trotzdem
hin und wieder diese Mühe zu machen, um mal nach dem Rechten zu
sehen.
Insbesondere im vorderen Fußraum sammelt sich Feuchtigkeit und
läßt u.U.
ganze Biotope entstehen. Der niedrigste Punkt im Fußraum ist
(Zufall oder
Absicht?) an der Stelle, wo die A-Säule anschließt. Damit
auch wirklich
immer optimale Lebensbedingungen für den "braunen Nager" herrschen,
verwendet Land Rover als Dämmaterial einen offenzelligen Schaum,
der wie ein
Schwamm wirkt. Dieser ist auf der Oberseite diffusionsdicht mit einer
Lage
Gummi beschichtet, denn schließlich soll das Wasser ja dort bleiben,
wo es
nicht hingehört. Ähnliches gilt für den Teppich auf
der Ladefläche. Als
alter "Extremist" habe ich kurzerhand den größten Teil des
mir überflüssig"
erscheinenden Dämmaterials entfernt und dabei gleich einige Kilo
Gewicht
gespart. Lieber fahre ich mit Gehörschutz, als daß ich eines
Tages den
Asphalt unter meinen Füßen vorbeirauschen sehe.
In der Off Road war vor vielen Jahren einmal zu lesen, Land Rover
Türschlösser hätten eine durchschnittliche Lebenserwartung
von 20000 km. Das
ist wohl etwas übertrieben, aber die Bezeichnung "langlebig" ist
hier
ebenfalls unrichtig. Alle drei Schlösser sind mittlerweile hakelig
und
wollen mit viel Gefühl behandelt werden. Ich werde wohl irgendwann
nicht
mehr darum herumkommen, sie auszubauen und in Ballistol einzulegen.
Vielleicht hat ja jemand eine bessere Idee. Bei unserer letzten Saharatour
bin ich dazu übergegangen, die Schlösser bei hoher Staubbelastung
mit
Klebeband (dem sogen. Gaffa Tape) abzudecken. In der Wüste braucht
man sein
Auto eh selten abzuschließen, und das Tape klebt zur Not auch
drei- oder
viermal. Immer wieder ist zu lesen, daß es bei den frühen
Discos Probleme
mit den Scharnieren der Hecktür gegeben hat. Später kamen
dann verbesserte
Versionen zum Einsatz. Wir haben mit der Fahrgestell Nr. F8GA446469
einen
"Serie I" Disco (wer hat einen älteren?), aber die Scharniere
gaben noch nie
Anlaß zur Klage, obwohl bei uns die Hecktür überdurchschnittlich
belastet
ist, mit Heckleiter und 265/75 R 16 Ersatzrad. Dafür ist der
Schließmechanismus völlig plattgeklopft und der Lagerbolzen
des
Türfangbandes hat das Türblech ausgefranst. Anmerkung von
T. Albrecht: "Was
häufig kaputtging, war der eigentliche Türöffner-Griff,
der zuerst aus
Kunststoff gefertigt war und dann gegen eine Version aus Metall ersetzt
wurde". Es empfiehlt sich übrigens, die Rückholfeder hinter
dem LR-Emblem in
der Hecktür öfters zu schmieren.
Unser Disco (Höherlegung +50 mm) hat einen großen Appetit
auf
Fahrwerksbuchsen. Insbesondere das Kugelgelenk des hinteren
Dreieckslängslenkers (A-Frame) ist verschleißanfällig
(alle 60000 km).
Konstruktionsbedingt neigt es auch noch zum Festrosten in der Aufnahme,
was
das Wechseln erschwert. Übermäßiges Spiel äußert
sich durch Geräusche beim
Überfahren von kurzen Unebenheiten und bei Lastwechseln. Einfacher
Test:
Handbremse anziehen, Fzg. gegen die Handbremse vor- und zurückrollen,
gleichzeitig (2. Person) Gelenk und Längslenkerbuchsen beobachten
(T.
Albrecht).
Auch die Buchsen vom Panhard-Stab geben bei vielen Discos vorzeitig
den
Geist auf, in Verschränkungspassagen machen sie dann mit dumpfem
Knacken auf
sich aufmerksam. Eine Geländefahrt mit einem Camel-Trophy Discovery
wird mir
in diesem Zusammenhang unvergessen bleiben: sämtliche Fahrwerksbuchsen
gaben
herzzerreißende Geräusche von sich und forderten lautstark
ihre
Auswechselung. Zahlreiche und heftige Geländeeinsätze wirken
sich natürlich
verschleißfördernd aus, man könnte auch einen negativen
Einfluß unserer
Fahrwerkshöherlegung herleiten, ich selbst halte das aber für
vernachlässigbar. Ich habe das Problem mittlerweile hoffentlich
endgültig
durch Austausch aller Buchsen gegen solche aus langlebigeren?) Polyurethan
gelöst. Diese haben auch den Vorteil, daß man sie ohne Presse
auswechseln
kann, sollte das doch einmal notwendig werden. Das Fahrwerk fühlt
sich
seitdem etwas straffer und exakter an, das superweiche Abrollen geht
aber
ein wenig verloren. Die Verschränkung wird nicht beeinträchtigt.
Leider gibt
es für das erwähnte Kugelgelenk keinen Polybush-Ersatz; auch
bei den
Stoßdämpfergummis sollte man bei Originalteilen bleiben,
die etwas härteren
PU-Lager können bei extremer Belastung zum Abreißen der
Dämpfer führen. Bei
den ersten Discoverys wurden an der Hinterachse sehr dünne Zugstreben
verwendet, hier wollte wohl ein englischer Ingenieur Material und Kosten
sparen. Leider hatte er übersehen, daß in bestimmten Fahrsituationen
eine
Zugstrebe auch auf Schub belastet werden kann, was einen wesentlich
größeren
Querschnitt nötig macht. Nachdem es diverse Probleme beim Einsatz
im Gelände
und mit Anhänger gab, unter anderem bei einem Vergleichstest der
Zeitschrift
"Auto Motor und Sport", wo die Tester (offensichtlich fasziniert von
der
Verschränkung) beim Rückwärts-durchfahren eines Grabens
eine solche Strebe
verbogen, wurde die Dimensionierung geändert. Meines Wissens wurden
diese
Teile zumindest kurzfristig auch beim Range Rover und Defender verbaut.
Die Ursprünge des Land Rover liegen in der Landwirtschaft, und
dementsprechend geht der Hersteller mit Fertigungstoleranzen um Differenzen
im Abstand der Räder einer Fahrzeugseite (also sozusagen der Radstand
auf
der Fahrer- bzw Beifahrerseite) liegen nicht selten im Bereich um 5
mm (!),
während laut LR sogar bis zu 13 mm (!) "acceptable" sind Das führt
dazu, daß
solch ein Fahrzeug trotz korrekt ein gestellter Spur und dem richtigen
Reifendruck immer eine bevorzugte Richtung hat, jeden falls selten
Geradeaus
Abhilfe schafft das Ein fugen einer Distanzscheibe an einer der bei
den
hinteren Zugstreben Diese Information stammt von Warwick Banks, Club
Discovery
Wem die Hinterachsfederung zu weich ist, der kann die beim 130er Defender
verwendeten Zusatzfedern einbauen Da hierzu allerdings auch spezielle
Federteller notwendig sind, ist das ganze ein relativ teures Vergnügen.
Preiswerter sind die australischen Old Man Emu Federn, die es in zwei
verschiedenen Längen bzw Härtegraden für den Disco gibt
Ich selbst fahre
jetzt seit gut vier Jahren mit OME Federn, darunter mehrere tausend
Pistenkilometer, mit bis zu drei Tonnen Fahrzeuggewicht ohne Probleme
OME
Fahrwerke sind unter anderem erhältlich bei "extrem Sport- und
Geländewagentechnik". Als Dämpfer empfehle ich Bilsteins.
Für Afrika-Fahrten
sollte man zu den +50mm OME Federn (schwere Ausführung) greifen.
Doppeldämpfer hinten sind angenehm, aber nicht unbedingt notwendig.
Uns ist '95 im Erg Chebbi/Marokko eines der beiden Planetenräder
des
Vorderachsdifferentials gebrochen, und einige der Bruchstücke
haben die
Ausgleichwirkung blockiert was den Effekt einer 100% Sperre hatte (sowas
hatte ich mir ja schon immer gewünscht) Zum Glück konnten
wir so die Dünen
wieder zur Piste zurück verlassen sonst hätten wir das Auto
unter Umständen
zurücklassen müssen Später, auf der Piste stellte das
Diff dann endgültig
die Kraftübertragung ein nachdem das zweite Planetenrad ebenfalls
aufgegeben
hatte Zurück in Deutschland sprach ich dann mit mehreren Leuten
die alle mit
Land Rovern zu tun haben die hauptsächlich für Wettbewerbe
oder Extremreisen
eingesetzt werden Alle sagten unabhängig voneinander, daß
die serienmäßigen
Diffs zu schwach dimensioniert seien. LR verbaut zwei Diff Varianten,
das
Standard Differential mit zwei Planetenrädern und die Salisbury
Differentiale mit vier Planetenrädern (4pins) In den Genuß
der 4Pins kommen
nur die Hinterachsen der Defender 110 130 und des 90 V8. Disco, Range
und 90
Diesel bekommen grundsätzlich 2pins. Der neue Range verwendet
übrigens
komplett neu konstruierte Achsen, deren Teile nicht kompatibel sind.
Es ist leicht ersichtlich, daß die auf ein Planetenrad wirkenden
Kräfte
doppelt so hoch sind, wenn nur deren zwei statt vier zur Verfügung
stehen.
Wenn man bei einem im DRC so belächelten Toyota LJ 70 in die Achsen
schaut,
so findet man dort Diffs mit vier Planetenrädern, vorne und hinten.
Ähnliches dürfte wohl bei den meisten Konkurrenten der Fall
sein. Ich will
hier Land Rover nicht schlecht machen und auch niemanden dazu überreden,
viel Geld in einen Antriebsstrang-Umbau zu investieren, aber ein wenig
peinlich für den "best 4X4xfar" ist das eigentlich schon. Das
ganze
relativiert sich allerdings wieder, wenn ich sehe, daß Bekannte
von uns (G.
und L. Behringer) seit Jahren mit ihrem Discovery Tdi Touren bis weit
in den
Sudan, Mauretanien, Libyen, Senegal oder Ägypten machen, bisher
ohne
Probleme. Man kann also nicht unbedingt sagen, daß der Umbau
auf
Rennsport-Teile notwendig war, ich wollte einfach das Risiko eines
Ausfalls
minimieren. Für den Discovery stehen mittlerweile diverse
Umrüstmöglichkeiten zur Verfügung, vom verstärkten
Heavy Duty Differential
über die automatischen Quaiffe, Detroit Truetrac, Detroit Soft
Locker bis
zur manuellen 100% Sperre von ARB, wobei ich die ARB favorisiere.
Während Steckachsen für Serie II und III Land Rover in der
Kategorie
"Verschleißteile" angeboten werden, sind Probleme mit den serienmäßigen
Steckachsen des Discos selten, aber man bekommt natürlich alles
kaputt. Ich
selbst kenne jemanden, dem bei einer relativ unspektakulären Aktion
im
Gelände eine hintere Steckachse abgeschert ist. Vielleicht war
das ja auch
ein Materialfehler. Eine Überlastung kann u.U. auch mit zeitlicher
Verzögerung zum Bruch führen. Eine relativ sichere Möglichkeit,
Steckachse
oder Differential zu töten, ist die folgende: mit durchdrehenden
Rädern, am
besten im Bereich des maximalen Motordrehmoments, kommt man mit einem
Rad
auf eine Stelle mit hoher Traktion (z.B. rauher Fels). Durch das ruckartige
Abbremsen des schnell drehenden Rades, zusammen mit der Massenträgheit
des
Antriebstrangs, wirken gigantische Drehmomente. Das funktioniert übrigens
bei fast allen Geländewagen, nicht nur bei Land Rovern.
Wer eine 100% Sperre wie die ARB einbauen möchte, sollte auf jeden
Fall auf
verstärkte Steckachsen umsteigen, da die Belastung bei gesperrtem
Differential ungleich höher ist. Achtung: insbesondere die Vorderachse
kann
Überraschungen bereithalten, wenn man auf andere Differentiale
und
verstärkte Steckachsen mit 24er Verzahnung umbauen möchte,
da unsere
britischen Freunde in der Lode Lane offensichtlich kreuz und quer mehrere
Gleichlaufgelenksversionen mit unterschiedlicher Innenverzahnung verbaut
haben. Details würden hier zu weit führen. Nur zur Warnung:
an meiner
Vorderachse ist mittlerweile so gut wie nichts mehr original. Und noch
mal
Achtung: In der laufenden Serie gab es eine Änderung der Steckachsenflansche
der Hinterachse, die beiden Versionen sind nicht gegeneinander austauschbar,
also Vorsicht beim (selten notwendigen) Ersatzteilkauf. Leider weiß
ich
nicht, bei welcher Fahrgestell-Nr. der Wechsel stattfand. Die Änderung
betrifft auch die Befestigungsbolzen und dementsprechend auch die Gewinde
in
der Radnabe.
Sollte man so oft wie möglich abschmieren, dann gibts keine Probleme,
unsere
sind z.B. immer noch die ersten, trotz +50 mm Fahrwerk und exzessivem
Dünenfahrens. Beim Discovery II ab 3/94 wird statt einem Kreuzgelenk
am
Flansch der Hinterachse eine Hardy-Scheibe verwendet, hauptsächlich
um das
Geräuschniveau zu reduzieren. Davon halte ich wenig, und das deutsche
Team
bei der 96er Camel Trophy hatte hiermit auch prompt Probleme. Zerstörung
der
Hardy-Scheibe dürfte meistens auch eine Beschädigung der
ganzen hinteren
Gelenkwelle zur Folge haben. Es wäre interessant zu wissen, ob
ein Umbau auf
die alte Lösung möglich ist. Auch hier gilt allerdings, daß
bei normaler
Belastung Schäden unwahrscheinlich sind. Ich fürchte aber,
daß diese
Hardy-Scheibe recht empfindlich auf Höherlegungen reagieren dürfte,
also
"uffbasse", wie man in Südhessen sagt.
Unser LT 77 (noch ohne S, das kam erst ab Herbst 91) versieht nach 165000
km
seinen Dienst weiterhin klaglos. Ganz Land Rover untypisch verliert
es auch
kein öl. Während es sich anfangs recht knackig straff schaltete,
hat es
jetzt mehr Spiel, aber nicht unangenehm viel. Manche Leute schwärmen
von den
Verbesserungen durch Verwendung von vollsynthetischem ATF-Getriebeöl,
und
das habe ich dann natürlich auch ausprobiert. Leider konnte ich
keinen
Unterschied feststellen, was aber daran liegen dürfte, daß
ich vorher schon
zufrieden war. Ungefähr bei km-Stand 20 000 hatte ich Slick 50
angewendet,
ein Additiv auf Teflon-Basis, und das hat zumindest nicht geschadet.
Auf
keinen Fall darf man statt dem vorgeschriebenen Automatik-Öl ein
SAE 80 W 90
Getriebeöl verwenden, sonst ist beim nächsten Ölwechsel
auch ein
Getriebewechsel fällig.
Bei dem von der Zeitschrift Off Road 1996 durchgeführten Fahrzeugreport
klagten immerhin 24,7% der Einsender über Probleme mit dem Getriebe,
allerdings hauptsächlich in Form von undichten Simmerringen und
Schwierigkeiten beim Gangwechsel; Peanuts für eingefleischte Land
Rover-Freaks. Mehrfache Getriebeschäden an nicht einmal zwei Jahre
alten
Discos sind allerdings weniger lustig. Immerhin traten 87% (!) der
notwendigen Getriebereparaturen noch unter 100 000 km Laufleistung
auf, und
zwar zu einem überdurchschnittlichen Anteil ab Modelljahr 95,
also seit
Einführung des R 380 Getriebes. Über die anfänglichen
Probleme mit dem R 380
Getriebe war schon genug zu lesen, Rover hat die Sache aber offensichtlich
immer noch nicht im Griff. Der Begriff "Fehlkonstruktion" drängt
sich hier
auf, Mitsubishi hatte einmal ähnliche Probleme beim Pajero-Getriebe,
und so
etwas kann einer Marke jahrelang negativ anhängen. T. Albrecht
ist der
Meinung, daß viele (vor allem ex-Pkw-Fahrer) zu schnell schalten.
Nach
einigen Jahren ist es unter Umständen zu überlegen, Getriebe
und
Transfergetriebe zu trennen, um die Verzahnung der Hauptwelle des
Schaltgetriebes neu zu fetten. Mangelhafte Schmierung hat hier wohl
schon zu
Schäden geführt (Geht auch einfacher: Deckel "Verzahnung
Endabtrieb" am
Vert.Getr. abschrauben). In diesem Zusammenhang ist mir im Internet
eine
angeblich Land Rover interne Information "zugelaufen", die folgendes
besagt:
Ein "Clonk"-Geräusch vom Alltriebsstrang, das sich bei Stop-and-Go
Fahrten
und beim Einparken bemerkbar macht, kann von übermäßigem
"gearbox/mainshaft
spline wear" verursacht werden. Betroffen sind folgende Fahrzeuge:
DiscoveryLJ ....178205 onwards DiscoveryLJ ....506525 onwards Defender
LD....976580 onwards. Ab den Verteilergetriebe-Serien-Nr. 28 D 460996
F
(Disco) und 22 D 461124 F (Defender) haben alle LT 230 Verteilergetriebe
ein
geändertes Design des "input gear". Ob an dieser Meldung etwas
Wahres dran
ist, weiß ich nicht, aber wer sollte sich sowas nur zum Spaß
ausdenken?
Die Hauptwelle des LT77 Schaltgetriebes besitzt am Ende der Verzahnung
ein
ca. 2-3 cm langes Gewinde, dessen Funktion mir nicht klar ist. Auf
jeden
Fall verhindert es den problemlosen Aus- und vor allem Wiedereinbau
des
Transfergetriebes, da der Platz unter dem Getriebetunnel nicht ausreicht,
um
es soweit zurückzuziehen, daß die Welle freikommt. Das Werkstatthandbuch
sieht vor, Getriebe und Transfergetriebe als zusammenhängendes
Bauteil
auszubauen und erst dann voneinander zu trennen. Das hohe Gewicht dieses
Elements bereitet aber in der Werkstatt schon genug Probleme, für
den
"Busch" ist diese Methode schlicht ungeeignet. Nach Rücksprache
mit den
Spezialisten habe ich die Welle entsprechend gekürzt, denn das
Stück
Gewinde hat im Discovery keinerlei Funktion. Es ist ein Überbleibsel
aus der
Zeit, als das LT77 in Rover Pkws, Jaguar etc. verwendet wurde, also
eine Art
"mechanischer Blinddarm". Ein- und Ausbau des Transfergetriebes sind
jetzt
problemlos möglich.
Es ist unbedingt darauf zu achten, die Bolzen, mit denen das Transfer-
an
das Schaltgetriebe geschraubt wird, nicht untereinander zu vertauschen,
denn
sie sind unterschiedlich lang. Schraubt man einen zu langen Bolzen
ins
Gehäuse des Transfergetriebes, so ragt dessen Ende u.U. in den
Bereich der
Zahnräder hinein. Zwar kürzen die Zahnräder den "Eindringling"
problemlos
auf das passende Maß, aber das im Gehäuse umherwandernde
Bolzenende kann
bösen Schaden anrichten. Einige Disco-Besitzer klagen über
Vibrationsgeräusche vom Transfergetriebe-Wählhebel. Ich habe
dieses Problem
zwar auch, empfinde es aber nicht weiter störend in anbetracht
der allgemein
vorherrschenden Geräuschkulisse. Immei 'hin wird beim Discovery
II ab
Fahrgestell-Nr 1?36970 ein Dämpfungssatz verbaut, der angeblich
auch
nachgerüstet werden kann.
Man hört absolut nichts von Problemen, also scheint es gut zu funktionieren.
Über die Vor-und Nachteile von Automatikgetrieben wird man sich
wohl in
vielen Jahren noch streiten, ich empfehle allen Skeptikern eine Testfahrt
im
Gelände mit einem Automatik-Fahrzeug. Persönlich würde
ich mittlerweile das
Automatikgetriebe bevorzugen, insbesondere beim Dünenfahren (mind.
130 PS
vorausgesetzt). Ein Getriebedefekt mitten in der Wüste ist mit
den
üblicherweise mitgeführten Werkzeugen und E-Teilen eh kaum
zu reparieren,
auch beim Schaltgetriebe nicht. Dafür entfällt die anfällige
Kupplung. Der
einzige kritische Punkt ist die Temperatur des Automatik-Öls,
aber ich gehe
davon aus, daß die Auto-Discos über einen üppig dimensionierten
Getriebeöl-Kühler verfügen. Schließlich ist ja
Kühlung bei Landys eigentlich
nie das Problem, eher schon Heizung.
Erstaunlich oft kommt es in Deutschland wie in England vor, daß
die
Werkstatt auf der Suche nach dem Grund für ein tackerndes Geräusch
vom
Antriebsstrang verzweifelt. Hier lohnt es sich, die Einstellung der
Handbremse zu überprüfen, oft wird sie zu stramm eingesellt
und sorgt dann
für Kopfzerbrechen.
In mehreren Autotests wurde die ungenügende Bremswirkung und vor
allem deren
starkes Nachlassen (Fading) bei anhaltender Belastung gerügt.
Dies ist
verwunderlich, verfügt der Disco doch vorne wie hinten über
große
Scheibenbremsen, vorn sogar innenbelüftet mit Ausnahme der allerersten
Exemplare.
Der Ausrückhebel der Kupplung erwies sich als nicht ausgesprochen
standfest,
das ist mittlerweile behoben, die neuen Versionen halten besser. Für
Fernreisen sollte man Ersatz mitnehmen.
In der Kupplungs-Hydraulik-Leitung ist ein Druckdämpfer aus Metall
eingebaut; der bei unserem Fahrzeug einmal vorzeitig den Dienst quittierte,
zum Glück in Deutschland (Gehäuseriß). Einem Teilnehmer
bei einer
SARO-Expedition passierte das gleiche, allerdings mitten in der libyschen
Sahara. Schweißen läßt sich das blöde Ding nicht
gescheit, seitdem nehme ich
immer einen Ersatz mit (NTC 3402).
Bisher gab's Gott sei Dank keine Probleme, denn das ist auch nicht mein
Fachgebiet.
Auf der Oberseite des Lenkgetriebes verläuft eine Druckleitung
aus Metall.
An ihr vorbei läuft ein Gummischlauch zwischen Nachfüllbehälter
und
Servopumpe. Wenn diese beiden Leitungen miteinander Kontakt haben (und
den
haben sie eigentlich immer), kommt es zu Beschädigungen durch
Scheuern. Doch
die Land Rover Ingenieure haben vorgesorgt und den Gummischlauch mit
einem
Kunststoff-Abriebschutz versehen. Der Erfolg ist allerdings fragwürdig:
jetzt wird eben die Blechleitung durchgescheuert, und dann verabschieden
sich große Mengen Servoöl auf Nimmerwiedersehen. Wer's nicht
glaubt, kann
gerne mein Altteil in Augenschein nehmen, ich hielt sowas bisher auch
für
unmöglich. Zum Glück war das Teil auf Lager, nachdem ein
anderer Kunde
das gleiche Problem hatte.
Man sollte wie bei jeder Servolenkung darauf achten, das Lenkrad nicht
länger als 30 Sekunden in der vollen Einschlagsposition zu halten,
sonst
riskiert man eine Überhitzung des Servoöls und Beschädigung
der Dichtungen.
- Discovery, The Enthusiast's Companion;
James Tayior 1994, MRP Ltd.
-Land Rover Discovery 1989-1994; R.M. Clarke 1994, Brooklands Books
- Land Rover Owner, div. Ausgaben, vor allem 11/96: Disco Tech und
1/97: The
first Disco-veries
- Off Road: 11/95: Dauertest Abschlußbericht und 8/96: Ergebnisse
Fahrzeugreport
- Club Discovery Newsletter Nr. 24, 3/96 Nicht direkt verwendet, aber
lesenswert: PIR-SIG, Robert M.: Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten,
1976 Fischer Verlag, Frankfurt, ISBN 3-596-22020-3.
Meinungen hierzu könnt Ihr
gerne beim
EXTREM-Diskussionsforum
loswerden.
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